Starte 2019 mit dem Little Buddha Spirit!

„Frohes neues Jahr“, sage ich leise und gebe meinem Mann einen feierlichen Neujahrskuss. Um uns herum zischen und krachen die Böller. Zumindest gefühlt. Wir stehen am Fenster unseres Wohnzimmers, während unser Baby Boy nebenan friedlich schlummert. Ein bisschen unspektakulär, aber trotzdem schön.

Ich liebe die Stimmung, die mit dem neuen Jahr kommt. Ein ganzes Buch mit 12 noch ungeschriebenen Kapiteln und 365 weißen, leeren Seiten, die sich nach und nach mit spannenden Geschichten füllen werden. Davon bin ich überzeugt. Bis zum 2. Januar. Dann ist der Alltag zurück und es ist doch kaum etwas anders als im letzten Jahr.

So ähnlich läuft das eigentlich immer, wenn etwas Neues in meinem Leben ansteht. Schule, Studium, Job, Familienzuwachs. Die ersten Tage mit unserem Baby Boy waren unheimlich intensiv und erfüllend. Alles war neu. Und auch die ersten beiden Monate haben sich noch sehr lange angefühlt. Danach legte sie wieder einen Gang zu, die Zeit. Und ein Tag war – zumindest fast – wie der andere.

Beginner’s Mind: Die Welt aus den Augen eines „Anfängers“ sehen

Im Zen Buddhismus gibt es den Begriff Beginner’s Mind. Wer die Welt aus den Augen eines „Anfängers“ sieht, nimmt alles so wahr, als ob es vollkommen neu wäre – unbeeinflusst von allen Erfahrungen, Meinungen und Urteilen aus der Vergangenheit.

Unsere Kinder, diese Little Buddhas, erleben jeden Tag so. Sie nehmen alles immer wieder neu wahr, staunen über große oder kleine Wunder und tauchen in jede Erfahrung voll ein. Dadurch füllen sie ihre ersten Jahres-Bücher mit unzähligen, spannenden Geschichten.

Unsere persönliche Brille macht unseren Blickwinkel klein

Je älter wir werden desto mehr verlieren wir diese Gabe. Wir haben an Lebenserfahrung gewonnen, dazu gelernt, uns zu vielem eine Meinung gebildet. Das gibt uns Sicherheit, aber es hat auch einen Preis: Wir erleben die Welt nur noch aus dem Blick unserer persönlichen Brille.

Trotzdem, irgendwo in uns schlummert dieser Little Buddha Spirit immer noch. Manchmal wacht er kurz auf. Zum Beispiel wenn wir auf Reisen gehen und jeden Tag Neues erleben. Oder an der Schwelle zum neuen Jahr, in Form einer neugierigen Sehnsucht nach unvergesslichen Erlebnissen, kindlicher Freude und Lebendigkeit.

Dieses Mal möchte ich ihn wachhalten, meinen Little Buddha Spirit, und im neuen Jahr mit ihm auf Abenteuer gehen!

Überraschungen wieder Raum geben

Zum Glück können wir unsere persönliche Brille ab und zu auch mal absetzen und unser Bild von der Welt auf den Kopf stellen.

Weil wir sie aber nicht, wie unsere Kinder, vollkommen neu entdecken, benötigt es dazu ein bisschen extra Anstrengung. Zum Beispiel, indem wir unsere bisherigen Meinungen und Überzeugungen bewusst in Frage stellen.

Hier drei konkrete Vorschläge, wie sich der Beginner’s Mind auf diese Weise trainieren lässt:

1. Konträre Meinungen erforschen

Stell dir vor, du hast irgendwo – auf dem Spielplatz, im Baby-Kurs oder im Kindergarten – eine andere Mama kennengelernt. Echt nett ist sie, ihr versteht euch gut. Dann sagt sie plötzlich diesen NoGo-Satz. Etwas, das überhaupt nicht deinen Prinzipien über Kindererziehung entspricht. Und plötzlich ist da diese Distanz. Du gehst auf Abstand.

Nichts da, auf ins Gespräch! Das ist die perfekte Ausgangssituation für einen spannenden Austausch. Wenn wir uns aus dem Beginner’s Mind heraus ganz unvoreingenommen auf einen echten Dialog einlassen und die Welt des Anderen neugierig erforschen, ergeben sich oft unerwartete Wendungen. Besonders gut gelingt das, wenn wir viele Fragen stellen und gut zuhören.

2. Unsere Lieblingsmenschen ganz neu entdecken

Was wir von unserem Partner und von unseren Kindern sehen und zu wissen glauben, „is only a small part of the mystery“ (Jack Kornfield). Ja, wir kennen unsere Liebsten und wissen oft genau, wie sie in welchen Situationen reagieren. Aber durch unsere persönliche Brille sehen wir vor allem das, was unsere Meinung über sie bestätigt.

Sätze oder Verhaltensweisen, die nicht in unser Bild von ihnen passen, blenden wir einfach aus. Oder wir denken: „So bist du doch gar nicht!“ Aber was, wenn doch? Das können wir nur herausfinden, indem wir mit ihnen reden, nachforschen, fragen. Immer dann, wenn wir das Gefühl haben, dass uns etwas „gegen den Strich geht“. Dadurch lernen wir nicht nur viel über den anderen, sondern oft auch einiges über uns selbst.

3. Unerwartet kommt oft

Und dann sind da noch die Überraschungen, für die das Leben von ganz alleine sorgt. Das sind die Situationen, in denen alles anders kommt als geplant. Und auch wenn es auf den ersten Blick nicht immer erkennbar ist, gerade in diesen Momenten unseres Lebens liegt viel Stoff für die besten Geschichten.

Oft hilft es schon, wenn wir uns zwei Dinge bewusst machen, die trotz oder gerade dank der unerwarteten Wendung positiv für uns sind. So öffnen wir die Türe für den Little Buddha Spirit.

Und den möchte ich 2019 unbedingt in meinen Alltag mitnehmen. Das habe ich mir fest vorgenommen. Damit ich die spannenden Geschichten, die das neue Jahr für mich bereit hält, auch wirklich erleben kann.

Mehr zum Thema: The Beauty of Beginner’s Mind (Jack Kornfield)

2 Kommentare zu „Starte 2019 mit dem Little Buddha Spirit!

  1. Die Erlebnisse mit meinen Kindern sind mir unvergleichlich kostbar. Viel zu lang ist es her, dass wir auf Spielplätzen und im Wald usw. gemeinsam unser Unwesen trieben. Nun freue ich mich auf Enkelchen und fühle mich hier bei dir, auf deinem Blog schon richtig gut erinnert und eingestimmt. Ich freue mich auf die Geschichten, die du hier teilen willst und komme gerne wieder vorbei.

    Alles Liebe
    Laureen

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