Mein Baby schläft nicht – Tipp 1: Annehmen und Loslassen

Babyboy und ich sitzen in einem engen Raum auf einem unbequemen Stuhl. Unser Gegenüber: eine Frau im weißen Kittel. Ich bin für einen medizinischen Check-Up im Krankenhaus und muss eine endlos scheinende Reihe langweiliger Fragen beantworten. Gerade macht die Ärztin eine kurze Notiz auf ihrem Anamnesebogen und blickt wieder auf.

 „Leiden Sie an Schlafstörungen?“

 „Ähhhm…“, ich deute mit einem Seitenblick auf die liebenswerte, kleine Schlafstörung, die da ganz unschuldig auf meinem Schoß sitzt. „Den Umständen entsprechend.“ Baby Boy wirft ihr sein bestes Flirt-Lächeln zu und mein inneres „Ich“ muss grinsen. Da kann keiner widerstehen. Und wenn er uns morgens nach dem Aufwachen verschmitzt aus strahlend blauen Augen anlacht, ist das Auf und Ab der letzten Nacht schnell wieder vergessen.

Dennoch sind die Nächte seit der Geburt unseres kleinen Schlafräubers nicht mehr das, was sie einmal waren: Nach einem ruhigen Abend gemütlich in die Bettdecke kuscheln, vielleicht noch einen schönen Film anschauen, gemeinsam mit dem Liebsten entspannt eindösen, morgens wieder aufwachen.

So als wäre kaum Zeit vergangen.

Und dann erholt, gut gelaunt und voller Tatendrang in den Morgen starten. (Ich gebe zu, das war auch vor meiner Zeit als Mama nicht immer so. Aber zumindest bilde ich es mir ein.)

Der Kontrast ist groß. Pro Nacht werde ich jetzt mindestens drei bis vier Mal geweckt. Wenn ich Glück habe, schläft unser Baby Boy nach dem Stillen gleich wieder ein. (Das sind die guten Nächte, über die möchte ich mich gar nicht beschweren.) Wenn nicht, muss ich als Mama ganze Nachtarbeit leisten. Irgendwann schläft unser Kleiner dann tatsächlich wieder.

Ich leider nicht.

Wann schläft unser Baby endlich besser?

Mein kleines Nachtschlaf-Protokoll:

  • In den ersten Monaten stand eine Uhr mit blau leuchtenden Ziffern in unserem Schlafzimmer. Darauf konnte ich immer genau erkennen, wann unser Baby Boy sich nachts gemeldet hat. Am Anfang war das noch ziemlich regelmäßig, etwa alle zwei Stunden.
  • Dann kam eine Nacht, in der mein neuer Schlafbegleiter erst um 01:00 Uhr trinken wollte. „Hurra, es geht aufwärts“, dachte ich und freute mich über den Fortschritt. Nix da! Am nächsten Tag ging es früher los als je zuvor.
  • Egal, unsere Pikler-Kursleiterin hatte uns ja versprochen: Ab einem halben Jahr wird es besser. Dann sind die Kleinen in der Lage durchzuschlafen. Aber: Nix da! Doch nicht unser kleiner Schlafräuber. (Nach diversen Mama-Gesprächen glaube ich übrigens durchaus, dass es Babys der Durchschlaf-Gattung gibt, sie sind nur äußerst selten. Wissenschaftlich gesehen schlafen aber noch nicht mal diese Babies wirklich durch.)
  • Schließlich gab es da noch die Pekip-Kursleiterin, die mir neue Hoffnung machte: Wenn Kinder im ersten Jahr schlecht schlafen, wird es dafür im zweiten oft besser. Einmal dürft ihr raten. Natürlich: Nix da!

Es ist ok so, wie es ist

Irgendwann habe ich – auf der Basis meiner diversen Nach(t)-Forschungsprojekte – den Schluss gezogen, dass unser Baby Boy auf keinen Fall zur Durchschlaf-Gattung gehört. Und dass mich vor allem das ständige Auf-die-Uhr-Schauen total stresst. Seit ich alle Uhren – inklusive Handy – aus unserem Schlafzimmer verbannt habe, bin ich viel entspannter.

Außerdem habe ich entschieden, nicht mehr darauf zu warten, dass unser Baby besser schläft. Es ist ok so, wie es ist. Selbst wenn es noch Jahre dauern wird. (Seit ich weiß, dass Kinder auch über das Babyalter hinaus noch häufig aufwachen, haben wir uns übrigens ein Familienbett zugelegt.)

Zugegeben, nicht jeden Tag fällt mir diese Einstellung leicht. Manchmal schleicht sich ein kleiner Seufzer dazu, wenn ich mit anderen Mamas – ganz klassisch beim dringend benötigten Cappuccino oder Latte –  über das Thema „Schlafen“ rede. Dann kommt oft eine Reihe von Tipps oder Vorschlägen. Zu heiß? Zu kalt? Zu laut? Zu leise? Zu wenig Platz im Familienbett? Oder vielleicht zu viel?

Inzwischen kenne ich unseren Kleinen aber so gut, dass ich weiß: Das ist es alles nicht. Und statt ständig nach Ursachen zu suchen, um das „Problem“ zu lösen, nehme ich es lieber als das an, was es ist: Eine Herausforderung, an der ich wachsen kann.

Den Stress um das Schlafen loslassen

Erst Widerstand erzeugt echtes Leiden. Dieser Grundsatz stammt aus der buddhistischen Psychologie und hat das Konzept der Achtsamkeit wesentlich geprägt. Klar, nächtliches Aufwachen ist nicht schön und kann dazu führen, dass das Kind am nächsten Tag eine müde Mama hat. Aber richtig stressig wird es erst, wenn wir uns deshalb ärgern oder das Gefühl haben, bei uns läuft irgendetwas nicht richtig.

Wenn wir loslassen, geben wir die Illusion auf, alles kontrollieren zu können. Das wirkt oft sehr befreiend, weil wir dann auch nicht mehr das Gefühl haben, alles kontrollieren zu müssen. Seit ich nicht mehr darauf warte, dass sich das Schlafverhalten unseres Baby Boys verändert, bin ich deutlich gelassener.

Deshalb lautet meine Antwort auf die Frage der Assistenzärztin, ob ich unter Schlafstörungen leide, auch nicht „Ja“. Ich leide nicht mehr unter meiner kleinen, liebenswerten Schlafstörung. Sie ist einfach da. Das habe ich akzeptiert.

Zumindest im ausgeschlafenen Zustand.

Aber wenn sich die schlaflosen Nächte mal wieder aneinanderreihen und ich morgens übermüdet aufwache, versuche ich, die aktuelle Situation bewusst anzunehmen. Dann sage ich mir: „Ja, ich bin übermüdet. Und das ist ok.“ Oft bin ich dann gleich viel entspannter.

Unverhofft kommt oft

Und weil das Leben Veränderung ist, bleibt nichts so wie es ist. Manchmal kommen Veränderungen gerade dann, wenn wir am wenigsten darauf warten. Oder besser: Wenn wir losgelassen haben. Seit einer Weile schläft unser Kleiner mittags zwei bis drei Stunden. Und das ganz alleine in seinem Bett. Vor ein paar Wochen war daran noch nicht zu denken. Plötzlich habe ich jeden Tag richtig viel Zeit für mich. Ich liebe diese Mittagsstunden und sie sind so viel wertvoller für mich als eine durchgeschlafene Nacht.

In Folge 2 der Serie zum Thema „Schlafen“ stelle ich euch meinen nächsten Tipp vor: Was tun, wenn euer Baby wieder friedlich schlummert – ihr selbst aber nicht mehr einschlafen könnt?

Was tun, wenn das alles nicht hilft? Dann bleibt nur noch Selbstliebe! Klingt nicht sehr motivierend? Bringt aber wirklich was. Mehr dazu in Folge 3 der Serie zum Thema „Schlafen“.

3 Kommentare zu „Mein Baby schläft nicht – Tipp 1: Annehmen und Loslassen

  1. Hallo Katharina,

    sehr schöner Beitrag! Das erinnert mich total an unsere kleine Maus 😉 Ich habe auch ewig auf die Uhr geschaut und war gefrustet, wenn ich alle 1-2 Stunden wach war. Aber es hilft ja nichts. Irgendwann hab es auch entspannter gesehen und manche Nächte sind dann gar nicht mehr soo schlimm.

    Mittlerweile (13 Monate) schafft sie es manchmal sogar von abends ab 23:00 bis in die Früh zu schlafen. Aber ich habe gelernt sich nicht zu früh zu freuen, denn die Nacht darauf hat meistens eine Überraschung bereit 😉

    Ich wünsche euch alles Gute! Und liebe Grüße aus Wien.

    1. Ja, das stimmt leider 😛 Klingt aber super, ich drücke die Daumen, dass es so bleibt! 🙂 Wir hatten auch eine längere gute Phase, aber seit ein paar Tagen ist nachts wieder Action angesagt. Wahrscheinlich die Zähne… Man vergisst diese Nächte so schnell, wenn es gut läuft :))

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