Nicht perfekt, aber authentisch: So bleibst du als Mama entspannt

Ehrlich gesagt, ich will gar keine perfekte Mama sein. Alleine schon deshalb, weil über die immer gelästert wird. Das geht dann zum Beispiel so: „Du weißt schon, das sind die, die immer im Bio-Laden einkaufen, mit ihrem Kind einen Pekip-Kurs machen und einen Marken-Kinderwagen haben.“

Autsch. Gleich drei Treffer. Ich oute mich nicht. Wer will schon uncool sein?

Zu meiner Verteidigung kann ich aber folgendes sagen: Als Mama bin ich tatsächlich weder perfekt noch perfektionistisch. Zumindest nicht nach den gängigen Perfektionismus-Kriterien.

Ich lebe mein Mama-Leben so wie es mir gefällt

Wenn es um unseren Baby Boy geht, mache ich wirklich nur, was sich richtig und stimmig für uns anfühlt. Zum Beispiel Open-End-Stillen, Familienbett, ein zweites Jahr Elternzeit, Zugfahrten statt Autoreisen. Egal, was andere darüber denken. Ohne Angst vor Fehlern. Mein Little Buddha und ich – wir wachsen und lernen zusammen. Herausforderungen welcome!

Alle anderen Mamas, die ich kenne, machen es übrigens genau so. Auch wenn sie ganz andere Entscheidungen treffen als ich. Zum Beispiel früh abstillen oder gar nicht stillen. Das Kind von Anfang an im eigenen Zimmer schlafen lassen oder es erst nachts ins Elternbett holen. Nach einem halben Jahr wieder arbeiten gehen oder gar nicht mehr. Lange Flugreisen unternehmen oder mit Kind und Bus um die halbe Welt reisen.

Wir alle leben mit unseren Kindern so, wie wir es wollen. Wir haben kein perfektes Mama-Leben. Dafür aber eines, das gut zu uns passt.

Meine innere Kritikerin bleibt unzufrieden

Trotzdem, wenn ich mich mit anderen Mamas unterhalte, fällt es mir manchmal schwer, selbstbewusst bei mir und meinen Entscheidungen zu bleiben. Auch wenn es nach außen keiner mitbekommt, zwitschert in meinem Ohr eine bekannte Stimme:

Willst du wirklich zwei Jahre Elternzeit machen? Vielleicht wäre es doch besser für den Kleinen, wenn er schon früher in eine Betreuung geht!

Ist das mit dem Familienbett wirklich gut so? Es wäre doch schön, wieder als Paar in einem eigenen Bett zu schlafen!

Wie lange willst du denn noch stillen? Was ist, wenn du den richtigen Zeitpunkt zum Abstillen verpasst?!

Meine innere Kritikerin meldet sich oft und gerne zu Wort. Wirklich still ist sie eigentlich nur, wenn ich von Mamas umgeben bin, die alles exakt so machen wie ich.

Also nie.

Ich möchte lernen, wirklich authentisch zu sein

Im Grunde hat sie sogar Recht. Natürlich nicht in der Sache. Aber solange ich nur mein eigenes Ding mache, nach außen aber nicht voll und ganz zu mir und meinen Entscheidungen stehe, wird immer ein Rest Unstimmigkeit bleiben.

Deshalb möchte ich endlich lernen, wirklich authentisch zu sein. Nach innen und nach außen ganz ich selbst sein.

Unterstützung bekomme ich dafür aus der Happiness-Forschung. Christine Carter, Wissenschaftlerin am Greater Good Science Center der University of Berkeley hat fünf wichtige Punkte formuliert, mit denen sich Authentizität trainieren lässt.

5 goldene Regeln für ein authentisches (Mama)-Leben:

  • Sei ehrlich zu anderen – und zu dir selbst

Das ist gar nicht so leicht. Denn oft übergehen wir unsere eigene Wahrheit, um andere nicht zu verletzen. Manchmal sogar so schnell, dass wir es selbst gar nicht merken.

Natürlich ist unsere Absicht gut. Aber sobald wir etwas aussprechen, das für uns nicht stimmig ist, reagiert unser Körper mit Stress. Und unsere unehrliche Antwort verhindert, dass wir authentisch sind.

  • Mache dir bewusst, dass es viele Wahrheiten gibt

Ehrlich zu sein bedeutet nicht, dass wir immer aussprechen müssen, was wir denken. Es ist auch möglich, authentisch zu sein, ohne andere zu verletzen: Wenn wir unangenehme Fragen einfach zurückspielen, haben wir Gelegenheit die Wahrheit unseres Gegenübers erforschen.

Zum Beispiel, indem wir unsere Freundin fragen, ob sie selbst happy mit ihrem neuen Kinderwagen ist. Und uns dann gemeinsam mit ihr freuen. Dass wir selbst anderer Meinung sind, spielt dann gar keine Rolle mehr.

  • Höre deinem Körper gut zu

Nicht immer ist uns bewusst, dass wir gerade nicht authentisch sind. Unser Körper ist da schlauer. Er gibt uns sehr klare Rückmeldungen

Carter empfiehlt deshalb, einfach mal auszuprobieren, wie sich Lügen für uns anfühlt. Am besten laut und vor einer anderen Person.

Wie auch immer dein Körper reagiert – es ist bestimmt nicht angenehm. Aber du kannst diese Signale für dich nutzen und lernen, in welchen Situationen du (noch) nicht authentisch bist.

Auch wenn wir ehrlich sind, gibt unser Körper uns ein Feedback. Wenn ich zum Beispiel offen zu anderen sage, dass ich im Moment gar nicht daran denke, mit dem Stillen aufzuhören, mag mein Körper das sehr. Und er belohnt mich mit einem warmen Glücksgefühl im Bauch.

  • Mind your own business

So lange wir ganz bei uns sind, bleiben wir im Kontakt mit unserer eigenen Wahrheit. Sie ist der Schlüssel, mit dem wir Herausforderungen meistern können.

Aber tatsächlich nur unsere eigenen. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich einer Mama mit meiner persönlichen Wahrheit weiterhelfen will. Die Absicht mag gut sein, aber der Versuch ist zum Scheitern verurteilt. Mein Schlüssel passt einfach nicht.

Schade. Und irgendwie auch erleichternd.

  • Liebe dich selbst – mit all deinen Fehlern und Schwächen

Für Carter ist das die wichtigste Regel. Und sie ist eine Einladung: Auch unsere „schwachen“ Seiten sind in Ordnung. Sie machen uns menschlich, oft sogar erst interessant. Und wenn wir versuchen sie zu verbergen, verstecken wir einen ganzen Teil von uns.

Besser ist es, wenn wir auch nach außen voll und ganz zu uns stehen. Klingt gut? Dann erlaube dir ab heute bewusst „Mama Unperfekt“ zu sein.

Interessant. Eigenwillig. Einmalig. Einfach DU.

Die fünf Regeln nach Christine Carter: Five Ways to be Fully Authentic

2 Kommentare zu „Nicht perfekt, aber authentisch: So bleibst du als Mama entspannt

  1. Wie wahr. Man muss sich nur sein Baby ansehen, um zu sehen, dass die Kleinen eigentlich schon all diese Dinge perfekt verinnerlicht haben, was wir gerade als Mamas in unserer Rollen wieder lernen oder uns zugestehen müssen. Sie verlernen es bloss wieder, weil wir als Gemeinschaft es „aberziehen“. Ein Baby denkt nicht darüber nach ob seine Klamotten cool sind oder was andere über es denken. Wenn es sich freut, freut es sich ehrlich, wenn es traurig ist, versteckt es das auch nicht.

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