Mein Baby schläft nicht – Tipp 2: Achtsames Atmen

Oft schlafe ich nach dem Stillen direkt wieder ein. Aber wehe, wenn nicht. Dann spaziert plötzlich ein ganz wichtiger Gedanke vorbei, den ich unbedingt weiterdenken muss. Und wann hat man dazu schon mal so wunderbar ungestört Zeit wie nachts? Wenn unser Baby Boy neben mir friedlich atmet, mein Mann selig schnarcht und sogar mein Smartphone im Schlafmodus schlummert.

Tatsächlich habe ich in diesen nächtlichen Stunden schon das ein oder andere Problem gelöst. Oder einen wichtigen Plan für den nächsten Tag geschmiedet. Meistens lädt mich der Gedanke, der da gerade vorbeispaziert, aber vor allem dazu ein, in eine Gedanken-Achterbahn einzusteigen. Und die wird schneller und schneller. Schießt in die Tiefe und fährt Loopings. Bis ich hellwach bin und an Einschlafen nicht mehr zu denken ist.

Dazu kommt die frustrierende Gewissheit, dass der nächste Tag in umnebelter Übermüdung nicht gerade angenehm sein wird.

Nachts plant es sich schlechter

Selbst wenn ich das Gefühl habe, die nächtlichen Stunden während der turbulenten Fahrt sinnvoll für mich genutzt zu haben – die Studienlage spricht nicht gerade dafür, dass ich tatsächlich auch zum besten Ergebnis gekommen bin. Denn nachts denken wir oft negativer.

Das liegt vor allem an der veränderten Hormonaktivität in unserem Körper. Damit wir ruhig und entspannt schlafen können, wird nachts weniger Serotonin und mehr Melatonin freigesetzt. Den extra Kick Serotonin, der es uns ermöglicht Herausforderungen positiv und optimistisch anzugehen, bekommen wir also nur tagsüber.

Gelegentlich hilft mir dieses Wissen, nachts gar nicht mehr in die Achterbahn einzusteigen. Oft sitze ich allerdings schon drin, bevor ich es richtig gemerkt habe. An Aussteigen ist dann nicht mehr zu denken. Seit ich meditiere, habe ich aber eine Notbremse entdeckt, mit der ich die Fahrt schnell wieder stoppen kann: Achtsames Atmen.

Mit „Achtsamem Atmen“ aus der Gedanken-Achterbahn aussteigen

Das Prinzip ist einfach. Ich konzentriere mich ausschließlich auf meinen Atem. Dabei erforsche ich, wo und wie ich den Atem in meinem Körper wahrnehme. Spüre ich ein- und ausströmende Luft in meinen Nasenflügeln? Bewegt sich mein Bauch? Wo genau spüre ich den Atem noch? Wie fühlt sich das an?

Im Idealfall lasse ich jede Kontrolle über meinen Atem los, mein Körper atmet ganz von selbst.

Zugegeben, das gelingt mir eher in entspanntem Zustand, weniger wenn ich schon in der Achterbahn sitze. Aber das ist in diesem Fall nicht so wichtig. Auch wenn ich das Gefühl habe, meinen Atemrhythmus bewusst zu steuern, reichen oft schon wenige Atemzüge aus und ich befinde mich wieder im entspannten Land der Träume.

Ein schönes Gefühl – vor allem beim morgendlichen Aufwachen.

Hier noch ein paar Tipps:

1. Vereinbare mit dir selbst eine Denk-Pause

Kommt ab und zu mal wieder ein Gedanke anspaziert, erinnere ich mich einfach daran, dass ich jetzt gerade „Denk-Pause“ habe.

2. Plane eine kleine Meditation in deinen Tagesablauf ein

Am leichtesten fällt „Achtsames Atmen“ in der Nacht, wenn es tagsüber regelmäßig durch Meditation geübt wird. Dann geht das System fast von selbst in den Atem-Modus über. Schon fünf Minuten am Tag machen einen Unterschied.

3. Nimm die Situation so an, wie sie ist

Manchmal sitze ich eher in einer emotionalen Achterbahn als in einer gedanklichen. Zum Beispiel, wenn ich total genervt bin, weil ich endlich schlafen möchte. Genau dann klappt das aber meistens nicht. Ein klassischer Fall von Leiden durch Widerstand.

In solchen Nächten hilft es mir, wenn ich zunächst bewusst auf die Anspannung in meinem Körper achte und dem Gefühl einen Namen gebe. Zum Beispiel „gestresst“ oder „Stress“. Denn erst wenn ich die Situation annehme, kann ich sie auch wieder loslassen.

Und wenn ich Glück habe, öffnet sich genau in diesem kleinen, magischen Moment das Fenster einen kleinen Spalt breit für Entspannung und Schlaf.

Achtsames Atmen ist für mich die perfekte Notbremse für die nächtliche Gedanken-Achterbahn. Und ein sehr wirkungsvolles Mittel um nach lebhaften Nächten entspannt – und zumindest relativ – ausgeschlafen zu sein.

Was tun, wenn das alles nicht hilft? Dann bleibt nur noch Selbstliebe! Klingt nicht sehr motivierend? Bringt aber wirklich was. Mehr dazu in Folge 3 der Serie zum Thema „Schlafen“.

Hier geht es zu Tipp 1: Annehmen und loslassen

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