Aufräumen mit der Happiness-Methode

Irgendwann mal, so richtig erinnern kann ich mich nicht mehr, war unsere Wohnung richtig stylisch. Auf eine coole Art und Weise.

Dann kam Baby Boy.

Und mit ihm das Chaos. Ohne dass wir es so richtig bemerkt haben, hat unser Kleiner sein neues Zuhause in festen Besitz genommen. Am Anfang fand ich das noch ganz süß. Inzwischen fühle ich mich fast ein bisschen aus meiner eigenen Wohnung verdrängt.

„Aua“ würde Baby Boy sagen, der im Moment alles, was ihm nicht gefällt, so kommentiert. Und Recht hätte er. Der Platzmangel tut fast schon weh. Ich brauche dringend wieder mehr Freiraum für Kreativität, Fantasie und gemütliches Zusammensein.

Als mir eine Freundin von der Konmari-Methode erzählt, werde ich sofort neugierig. Denn Marie Kondos Aufräumtechnik orientiert sich an ganz wesentlichen Prinzipien aus Achtsamkeit und Happiness. Damit ist sie perfekt für uns. Wir machen uns an die Arbeit!

Hier die Konmari Basics:

#1 Wer einmal richtig aufräumt, muss in Zukunft nie wieder aufräumen.

Ernsthaft?!

Ich glaube, es gehört eine große Portion Disziplin dazu, aber wer sich wirklich an Konmari hält, kann das schaffen. Zum einen, weil alle Dinge in einem nach Konmari aufgeräumten Zuhause einen festen, logischen Platz haben. Zum anderen, weil es tatsächlich gar nicht mehr so viele Dinge gibt. Ein gutes Aufräum-Ergebnis bedeutet nämlich nach Marie Kondo: Am Ende ist nur noch ein Drittel oder sogar nur noch ein Viertel aller Dinge übrig.

#2 Überlege dir vor dem Aufräumen, wie ihr in Zukunft als Familie leben möchtet.

Diese Regel ist für uns eine Offenbarung. Wir lieben den „tiny lifestyle“, also eine Lebensart, die mit möglichst wenig Besitz und Raum auskommt. Minimalistisch, einfach und trotzdem absolut zum Wohlfühlen.

#3 Behalte nur, was dich wirklich glücklich macht.

Hurra, endlich darf ich wegwerfen, was ich eigentlich schon lange entsorgen wollte. Alle Sachen, die ich nur behalten habe, weil

  • sie so teuer waren
  • ich sie vielleicht irgendwann noch mal brauchen könnte
  • das Kind irgendwann noch mal damit spielen könnte
  • sie ein nett gemeintes Geschenk waren
  • ich sie irgendwann mal sehr mochte

dürfen endlich weg!

Ich liebe es. Und die Müllsäcke füllen sich. Vieles verschenken wir auch. Wir müssen noch nicht mal eine Anzeige im Internet schalten. Im Treppenhaus und vor unserer Haustüre finden sich jede Menge dankbare Abnehmer. Einfach über Nacht rausgestellt – zack ist es weg. Faszinierend.

Was dann noch übrig bleibt, wandert wirklich in den Müll. Denn nach dem Konmari-Prinzip ist Verschenken nur erlaubt, wenn der Beschenkte es auch tatsächlich haben möchte – also nur, wenn es ihn wirklich glücklich macht.

#4 In der richtigen Reihenfolge fällt das Aussortieren leichter.

Von manchen Dingen können wir uns leichter trennen als von anderen. Während ich Ding für Ding in die Hand nehme, bleibe ich an manchen Sachen hängen, die für mich einen besonderen emotionalen Wert haben. Manchmal ist es tatsächlich nur die Farbe, die mir so gut gefällt. Wie bei meinem mintgrünen, kleinen Organizer, den ich mir kurz vor Baby Boys Geburt gekauft aber fast nie benutzt habe.

Marie Kondo empfiehlt deshalb eine bestimmte Reihenfolge beim Aufräumen, mit der wir uns langsam an die Trennung von emotional bedeutsamen Dingen herantasten:

  1. Kleidung
  2. Bücher
  3. Schriftstücke
  4. Kleinkram
  5. Persönliches

#5 Erweise den Dingen Respekt – auch wenn du sie weg wirfst

Zunächst klingt es vielleicht ein bisschen verrückt, aber es kann helfen beim Aussortieren mit den Dingen zu sprechen. Ich mache das immer dann, wenn mir eine Entscheidung besonders schwer fällt. In so einem Fall frage ich das betroffene Objekt: „Machst du mich wirklich glücklich?“ Und tatsächlich, es antwortet.

Allerdings nicht immer zu meinen Gunsten. Zumindest nicht, wenn ich versuche, meinen Mann dazu zu bringen, etwas von seinen Dingen zu entsorgen.

Ich: „Macht dich dieser Pulli wirklich glücklich?“

Er: „Oh ja, darin sehe ich aus wie Steve Jobs. Und er macht mich dünner.“

Ich muss lachen, ein klares Ergebnis. Der Pulli bleibt.

Nach dem Entrümpeln kommt das Aufräumen: Einfacher geht es kaum

Marie Kondos Zauberformel dafür lautet: Du hast dafür schon alles, das du brauchst.

Und zwar

  • genau so viel Stauraum wie nötig
  • rechteckige Schachteln aller Art, insbesondere kleine Verpackungskartons sowie Deckel (wirklich kein schlechter Tipp!)

Das ist fast schon alles. Wichtig ist außerdem, dass alle Sachen einen logischen Platz bekommen und Dinge der gleichen Art zusammen aufbewahrt werden.

Und noch etwas: Alle Sachen sollten gut sichtbar sein. Sonst geraten sie schnell in Vergessenheit. Für den Kleiderschrank empfiehlt Marie Kondo eine spezielle Faltmethode, bei der die Kleidung quasi „steht“. Das klingt komplizierter als es ist, die Technik ist per Youtube-Video easy erlernbar. Ich persönlich finde, das Ergebnis sieht wirklich schön aus. Baby Boys und meine Kleidung wird jetzt nur noch so aufgeräumt. Der Mann entscheidet für sich selbst.

Komari macht happy – das sind die Glücksfaktoren

Eine Konmari-Wohnung sorgt alleine schon deshalb für Glücksgefühle, weil sich darin nur noch Dinge befinden, die uns glücklich machen. Manchmal ist das sogar längst Vergessenes, das im restlichen Kram total untergegangen ist. Aus unserer Hochzeitserinnerungskiste behalte ich nur ganz wenige Dinge. Zum Beispiel ein paar bunte Blütenblätter, die in Zukunft den lachenden Buddha in unserer Meditationsecke noch fröhlicher machen.

Konmari lehrt uns aber mehr als reines Aufräumen:

  • Dankbarkeit: Jedes Objekt hat uns bereits einen Dienst erwiesen – selbst dann, wenn wir einen Fehlkauf getätigt haben. In diesem Fall wissen wir in Zukunft besser, was wirklich zu uns passt. Dafür dürfen wir uns bei den Dingen ruhig auch mal bedanken.
  • Loslassen: Danke sagen macht den Abschied leichter. Und mit jeder Sache, die wir gehen lassen, trainieren wir diese Fähigkeit ein bisschen mehr.
  • Achtsamkeit und Wertschätzung: Das betrifft auch die Dinge, die bleiben. Sie haben für mich jetzt einen viel größeren Wert und ich versuche auch sie entsprechend zu behandeln. Zum Beispiel befolge ich jetzt täglich einen wichtigen Konmari-Tipp: Jedes Mal, wenn ich abends mit Baby Boy nach Hause komme, räume ich meine Tasche leer, um ihr eine Pause zu gönnen. Das tut ihr richtig gut!
  • Kreativität: Mit Konmari lernen wir um die Ecke zu denken. Zum Beispiel indem wir neue Funktionen oder Orte für Dinge finden, die bleiben dürfen. Und wenn wir doch einmal merken, dass wir etwas (vorschnell) weggeworfen haben, sind wir darin gefordert eine neue Lösung zu finden.
  • Genügsamkeit: Beim Aussortieren und Aufräumen bekommen wir ein Gefühl dafür, was und wie viel (bzw. wie wenig) wir eigentlich zum Leben brauchen. Das hilft uns dabei, zukünftige Fehl- und Hamsterkäufe zu vermeiden.

Konmari enthält jede Menge Glücksfaktoren, deren positive Wirkung wissenschaftlich belegt ist (siehe Links). Aufräumen kann also auch anders als langweilig – nämlich richtig glücklich machen!

Übrigens, Baby Boys Spielsachen, den ursprünglichen Auslöser unserer Aufräumaktion, habe ich unangetastet gelassen. Unser Kleiner spielt wirklich mit jedem einzelnen davon, was für mich nur einen Schluss zulässt: Sie alle machen ihn happy.

Weil wir bald in eine neue – aber mitnichten größere – Wohnung ziehen, haben wir eine andere Lösung für dieses Problem gefunden. Baby Boy bekommt das zweitgrößte Zimmer und dorthin ziehen dann all seine Spielsachen.

Der Rest der Wohnung wird zu unserem „Tiny Home“: Clean. Gemütlich. Voller Freiraum. Und richtig stylisch. Auf eine coole Art und Weise.

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