Starke Entscheidungen treffen

Ich sitze in der S-Bahn. Eine Stunde hin. Eine Stunde zurück. Das ist ein langer Arbeitsweg. Langsam dämmert es mir. Mein kleiner Sohn und ich, wir werden jeden Tag sehr weit voneinander entfernt sein.

Und plötzlich ist sie da, diese Vorahnung. JA, lacht mein Herz. NEIN, stöhnt mein Verstand. Er möchte es noch nicht wahrhaben, aber eigentlich weiß er es schon. Die Entscheidung ist gefallen.

Ich habe doch gar keine Wahl!

Diesen Satz habe ich schon so oft gehört. Vor allem, wenn es um die Entscheidung geht, wann Mama oder Papa ins Arbeitsleben zurückkehren.

Aber liegt das nicht eigentlich auf der Hand, fragst du dich vielleicht. Ja, für die meisten schon. Nach einem Jahr hört der Staat auf, unser Konto mit Elterngeld zu füttern und wir müssen wieder Geld verdienen. Also heißt es für Mama: Zurück in den alten Job. Und für die Kleinen: Ab in die Kita. So sehen es die meisten Eltern, die ich kenne. So will es die Gesellschaft. So will es die Wirtschaft.

ABER: Bedeutet das wirklich, dass wir keine Wahl haben?

Nein.

Du hast immer eine Wahl!

Das gilt natürlich nicht nur für die Frage der Elternzeit, sondern für (fast) alles in unserem Leben. Die Wahl zu haben, macht es aber nicht unbedingt leichter. Denn jede Entscheidung ist mit Konsequenzen verbunden. Das heißt, wir bezahlen immer einen Preis.

Die wesentlich Frage lautet: Welchen Preis bist DU bereit zu zahlen? Was wirfst DU in die Waagschale, um deine persönliche Lebensbalance zu finden? Wie lautet DEINE ganz eigene Gleichung für Glück?

Die Antwort wirst du nicht in den Standards der Gesellschaft finden, sondern in deinem Herzen. Das bedeutet allerdings, dass wir sehr genau hinhören müssen. Denn was uns als Kind noch so leicht fiel, haben wir als Erwachsene oft verlernt.

Außerdem blockiert uns noch etwas anderes: Wir denken meistens in Entweder-Oder-Kategorien. ENTWEDER arbeiten ODER das Kind noch länger zuhause betreuen. ENTWEDER ein Eigenheim erwerben ODER für immer zur Miete wohnen.

Entscheidungen werden leichter und im Ergebnis besser, wenn wir uns von diesem Schwarz-Weiß-Denken lösen und die Farbpalette unserer Entscheidungswelt erweitern. Die folgende Coaching-Übung hilft dir dabei, in andere – möglicherweise ganz überraschende – Richtungen zu denken. Sie bezieht dein Herz und deinen Verstand mit ein. Wenn beide mit ihm Boot sind, wirst du auch bei aufkommenden Schwierigkeiten weiter hinter deiner Entscheidung stehen.

Das Entscheidungs-Tetralemma*:

Gehe die folgenden Optionen nacheinander durch. Was bedeuten sie im Hinblick auf deine anstehende Entscheidung? Wenn dir an einem Punkt nichts einfällt, bleib dran – die Lösung darf auch verrückt sein! Notiere die Ergebnisse auf einem Papier oder auf kleinen Kärtchen.

  • Das EINE
  • Das ANDERE
  • BEIDES
  • KEINES von Beidem
  • All dies NICHT und auch das NICHT (Damit ist gemeint: Gibt es noch irgendetwas – vielleicht auf den ersten Blick komplett abwegiges – an das du bislang noch gar nicht gedacht hast?)

Schau dir die einzelnen Optionen an und höre in dich hinein. Wie fühlt sich das Szenario für dich an? Passt die Lösung zu deinen Werten? Was bedeutet die Entscheidung für dein Umfeld? Bist du bereit den Preis zu bezahlen? Wer bist du in dieser Situation und möchtest du diese Person wirklich sein? Welche Ideen kommen dir noch?

Wenn du dich auf dein Fühlen einlässt und dir selbst erlaubst, auch einmal ver-rückt zu denken, wirst du vermutlich schnell merken, welche Entscheidung richtig für dich ist. Damit ist der Anfang gemacht. Nun liegt es an dir – bist du mutig genug, deine Entscheidung in die Realität umzusetzen?

Hör auf dein Herz! Ich drücke euch beiden die Daumen.

* nach Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer

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